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Gitarreneffekte / Effektgeräte: Ein Überblick

Hier wollen wir euch einen Überblick über die Entwicklung der Gitarreneffekte geben.
Unter Gitarreneffekte bzw. Effektgeräte versteht man elektronische Geräte, die den Klang eines Instruments oder einer anderen Klangquelle verändern. Während manche Gitarreneffekte den Sound nur geringfügig modifizieren (z.B. Hall), verändern manche den Sound komplett (z.B. Phaser/Synthesizerboxen für Gitarre).

Geschichte der Gitarreneffekte
Die ersten Effektgeräte wurden entweder durch Zufall entdeckt oder es wurde versucht, natürliche Phänomene wie z.B. Hall nachzubilden. Der wahrscheinlich erste in Serie gebaute Gitarreneffekt war Ende der 40er Jahre das Tremolo/Vibrato von DeArmond. Dessen Tremoloeffekt entsteht dadurch, dass ein mit leitender Flüssigkeit gefülltes Röhrchen an einer unregelmäßigen Scheibe angebracht ist und die Schaltung rhythmisch öffnete und schloss. Natürlich muss hier auch das ebenfalls komplett „analoge“ Tremolosystem für Gitarren von Bigsby, das bis heute noch erhältlich ist, genannt werden.

DeArmond Tremolo mit motorbetriebener Scheibe und flüssigkeitsgefülltem Röhrchen
DeArmond Tremolo mit motorbetriebener Scheibe und flüssigkeitsgefülltem Röhrchen

Die Massenproduktion von Gitarreneffekte begann in den 60er Jahren. Die ersten Effektgeräte speziell für Gitarre wurden von Roger Mayer hergestellt. Nachdem er Fuzz-Pedals für englische Gitarristen wie Jimmi Page und Jeff Beck herstellte, erfand er auch das Wah-Wah und den Octavia (Up-Octave + Fuzz), welcher in Jimi Hendrix´ „Purple Haze“ Weltruhm erlangte. Die Welle war losgetreten und in Folge entstanden eine Vielzahl von Bass- und Gitarreneffekten.

Prototyp der Roger Mayer Octavia
Prototyp der Roger Mayer Octavia

Mitte der 80er Jahre kamen dann die ersten digitalen Multi-Effektgeräte auf den Markt. Meist wurden klassische Effekte wie Overdrive oder Reverb imitiert, jedoch gab es auch neue Effekte und die vorhandenen konnten kombiniert werden.
In den 90er Jahren fand bei vielen professionellen Musikern eine Rückbesinnung auf die besser/“voller“ klingenden analogen Effektgeräte statt. Boutique-Hersteller wie Mike Fuller (Fulltone) oder Zachary Vex (Z.Vex) erweiterten die klassischen Effektdesigns bzw. reproduzierten klassische Effektgeräte und wurden im Laufe der Zeit immer bekannter. Auch heute noch bilden die beiden Firmen die Speerspitze der Boutique-Hersteller. Nichtsdestotrotz existiert heute eine Vielzahl kleiner Hersteller von Gitarreneffekte, die die Szene mit immer neuen Effektgerät-Varianten begeistern.

Boutique-Effektgeräte: Was ist der Unterschied?

Kurzum: Der Sound! Boutique-Effektgeräte sind handgefertigt und werden meist in geringer Auflage von kleinen Firmen oder Einzelpersonen auf den Markt gebracht. Die Preise liegen deshalb oberhalb von massengefertigten Produkten wie z.B. Boss-Pedals. Die Käufer von Boutique-Gitarreneffekten sind meist fortgeschrittenere Musiker, welche qualitativ hochwertigere oder ausgefallenere Sounds benötigen. Gerade wenn wie z.B. im  Studio eine hohe Soundqualität benötigt wird, greifen viele Musiker zu Boutique-Effekten.

Der Unterschied zu Massenware ala Boss oder Digitech besteht im Einsatz hochwertigerer Komponenten, True Bypass Schaltungen und innovativen Designs. Dabei werden häufig auch ungewöhnliche oder seltene Vintage-Bauteile wie z.B. Ölkondensatoren oder  NOS-(new-old-stock) Germaniumtransistoren verwendet, die Schaltungen sind je nach Effekttyp meist komplett analog. Zudem sind viele Boutique-Effektgeräte häufig individuell handbemalt.

Neben Firmen wie z.B. WMD, Pigtronix oder Metasonix, welche innovative Pedals erstellen, gibt es noch Boutique-Hersteller wie z.B. Fulltone, die sich auf den originalgetreuen Nachbau bzw. der Modifikation von alten Effektgeräte-Klassikern wie z.B. dem Univibe- oder Fuzz Face Pedal widmen.

Es ist leider klar, dass ein kleiner Effektgerät-Hersteller mit 1-3 Mitarbeitern nicht die Preise der großen Massenhersteller realisieren kann. Jedoch ist jedes Pedal etwas besonderes und gerade bei Aufnahmen zahlt sich die gebotene Qualität doppelt und dreifach aus. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jeder Anfänger gleich drei Boutique-Effekte benötigt: Wir haben selbst mit einem digitalen Digitech-Multieffekt angefangen, Musik zu machen. Im Laufe der Zeit konnten erste Erfahrungen gesammelt werden und spätestens als Resultat der ersten, gitarrentechnisch furchtbar klingenden Aufnahmen war die Jagd auf das bestklingendste Fuzz-/Delay-/Overdrivepedal eröffnet und dauert bis heute an.


Mögliche Formen von Effektgeräten

Gitarreneffekte werden in verschiedenen Formen hergestellt. Die meist verbreitete Form sind dabei sicherlich Stompboxes/Pedals. Hier ist der Effekt in einem kompakten Gehäuse untergebracht, welches per Fuß (de-)aktiviert wird. Es können mehrere Stompboxes parallel betrieben werden. Hierzu ist auch unser Artikel „Stromversorgung von Gitarreneffekten“ lesenswert.

  • Rackmount EffektgerätRackmount Effektgeräte. Rackmount Effekte sind zum Einsatz in 19“ (inch) Racks gedacht. Diese Racks bilden das Standardformat für Studios oder die Computerindustrie. Rack-Effekte werden vor allem in Studios oder bei professionellen Live-Bands eingesetzt.

  • Tabletop EffektgerätTabletop Effektgeräte. Ähnlich einer Stompbox, aber für den Einsatz auf einem Tisch optimiert. Der Effekt befindet sich auch in einem kompakten Gehäuse, die Schalter sind jedoch leichtgängiger, damit sie auch gut per Hand bedient werden können. Ideal für Effekte, die auch zur Erzeugung elektronischer Musik eingesetzt werden. Beispiele sind der OTO Biscuit oder der Line6 POD.

  • Built-In Effektgeräte. Hier sind einzelne oder mehrere Effekte direkt in Verstärkern, Gitarren, Mixern oder anderen Geräten eingebaut. In den letzten zehn Jahren wurden vor allem digitale Gitarrenverstärker mit einer Vielzahl von Effekten versehen. Ein prominentes Beispiel ist z.B. der Einbau von vielen digitalen, miteinander kombinierbaren Effekten wie z.B. Phaser und Hall in kostengünstige Amps der Marke "Line 6".

  • Multi-Effektgeräte. Ein Multieffektgerät ist ein einziges Effektgerät, welches eine Vielzahl digitaler Effekte beinhaltet, die meist auch kombiniert eingesetzt werden können. Ein Multieffektgerät ist aufgrund des geringen Preises und der Vielzahl an Features gut für Anfänger geeignet, welche in die Effektwelt „hineinschnuppern“ möchten. Ein Beispiel ist das Zoom 505 Muliteffektgerät. Die Qualität der Sounds ist inzwischen annehmbar, aber nicht mit dem Sound guter Stompboxes vergleichbar.

 

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